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In memoriam Pascale Jeannée (1976-2002)
Künstlerische Aktivismen oszillieren nicht erst seit
gestern in das politische Feld. Die Geschichte der Überlagerungen
von Kunst und Politik ist eine lange. Zugleich bedeuteten
Grenzüberschreitungen in das Politische in den avancierten
Kunstdiskursen immer ein beliebtes Distinktionskapital.
In den neueren aktivistischen Praxen im Kontext der
Proteste gegen die ökonomische Globalisierung scheint
es eher so, dass sich künstlerische und kunsthafte Praxen
im Politischen einnisten, ohne auf die Begrifflichkeiten
der Kunst und Effekte im Kunstfeld zu bestehen. Der
Begriff hybrid resistance führt in diesem Zusammenhang
die anti-essenzialistische Konnotation der Hybridität
zusammen mit einem Widerstandsbegriff, der im Mikropolitischen
angesiedelt ist und sich durch seine Wechselbeziehungen,
Querverbindungen und überlappenden Nachbarschaftszonen
auszeichnet.
Dass solche Überlappungen - wie beizeiten unterstellt
- nicht bloß in den Phantasien von poststrukturalistischen
AutorInnen vorkommen, veranschaulichen die Texte von
Harald Kuemmer, Robert Foltin, Gini Müller und Gerald
Raunig, die mit Grenzcamps, Pink Silver und VolxTheaterKarawane
aktuelle Phänomene im Rahmen der Bewegung gegen
die ökonomische Globalisierung untersuchen. Etwas
weiter noch in die Tiefen des historischen Raums greifen
die Beiträge von Oleg Kireev und Marion Hamm aus,
ersterer in die russischen Aktivismen der 90er Jahre,
letztere in die Anfänge einer Aktionsform in Großbritannien,
die noch immer darauf besteht, Öffentlichkeiten
als solche zu verstehen: Reclaim the Streets.
Neben der Analyse und Reflexion von Projekten und Praxen
versammelt dieser Issue kritische Ansätze zu den begrifflichen,
historischen und politischen Potenzialen und Problemen
des Phänomens und des Begriffs Hybridität. Boris Buden
fragt nach den emanzipatorischen wie den depolitisierenden
Anteilen von hybriden Widerständen, Stefan Nowotny nach
ihren Möglichkeitsbedingungen vor dem Hintergrund der
unausweichlichen Wiederholung bestehender Machtverhältnisse.
Hito Steyerl liefert eine forcierte Kritik des postkolonialen
Hybriditätskonzepts aus dem Blickwinkel der Subalternen
in nicht-angloamerikanischen Ländern, und Ulf Wuggenig
verweist auf die Gefahr einer destruktiven Hybridisierung
von Kunst und Ökonomie im Zusammenhang der Ökonomisierung
des Kulturellen, im Speziellen des Kunstfelds.
Einige der hier veröffentlichten Texte finden Sie in
einer deutschen Printversion abgedruckt in: Kulturrisse
03/02. Bestellungen bei office@igkultur.at
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