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oliver ressler | raimund minichbauer 05/2004
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alternative economics, alternative societies
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raimund minichbauer: das projekt alternative economics, alternative societies präsentiert in einer installation verschiedene alternative modelle zum kapitalistischen gesellschaftssystem in jeweils ca. halbstündigen interview-videos. das projekt wurde im herbst 2003 erstmals in der galerija skuc in ljubljana gezeigt und seither in verschiedenen ausstellungen[1]. es ist als work in progress angelegt, d.h., es kommen immer wieder neue videos dazu. könntest du bitte einen kurzen überblick über den aktuellen stand der produktion und produktionspläne jetzt im mai 2004 geben?
oliver ressler: in der ersten ausstellung in der galerija skuc setzte sich die installation aus fünf videos zu unterschiedlichen modellen oder facetten zusammen, die für die diskussion über zukünftige ökonomien oder gesellschaftsformen von bedeutung sind. mittlerweile wurde die installation auf acht videos erweitert, die kürzlich in der ausstellung open house[2] im o.k in linz zu sehen waren. ich arbeite gerade am neunten video. einige der videos basieren auf konzepten und modellen, die z.b. von ökonomen oder gesellschaftstheoretikern geschrieben wurden, die sich jahrelang mit dieser thematik auseinander gesetzt und bücher publiziert haben, die zum teil mehrere hundert seiten umfassen. dazu gehören z.b. "inclusive democracy" von takis fotopoulos[3] oder "participatory economics" [4] von michael albert. andere konzepte haben nicht diesen anspruch, alle facetten einer gesellschaft zu thematisieren, sondern konzentrieren sich auf bestimmte details. dazu würde ich "free cooperation" / "freie kooperation" von christoph spehr[5] zählen, oder nancy folbres feministische ansätze, die sie unter dem begriif "caring labor" [6] thematisiert. weiters gibt es konzepte, die ein bestimmtes historisches modell fokussieren, z.b. die arbeiterkollektive während des spanischen bürgerkrieges im beitrag der sozialwissenschafterin salomé moltó[7], oder die arbeiterselbstverwaltung im jugoslawien der 60er und 70er jahre, die vom serbischen soziologen todor kuljic[8] thematisiert wird. einige modelle würde ich eher im literarischen bereich verorten. es war für mich am beginn des projektes selber noch nicht klar, dass ich etwa in einem roman formulierte modelle thematisieren würde. das hat sich so entwickelt, als mir klar wurde, dass das ziel des projektes nicht darin liegen kann, einem dieser modelle konkret zu einer durchsetzung zu verhelfen, sondern dass es darum geht, verschiedene ideen und ansätze in die diskussionen einzubringen bzw. diese überhaupt einmal zu initiieren. und dabei kann durchaus auch auf literarische vorlagen zurückgegriffen werden. in der installation sind das einerseits die utopischen feministischen visionen, die marge piercy[9] in zwei ihrer romane formuliert hat. das buch bolo'bolo[10] von p.m. würde ich auch hier zuordnen, da es sich zwischen undergroundliteratur und dem versuch einer skizzierung eines gesellschaftsmodells bewegt.

raimund minichbauer: und das neue video, an dem du gerade arbeitest?
oliver ressler: ich habe vor kurzem ein gespräch mit john holloway aufgenommen, der ein buch geschrieben hat, in dem es darum geht, die gesellschaft zu verändern, ohne die macht zu übernehmen[11]. john holloway bezieht sich darin auf die erfahrungen der zapatistas in mexiko und hat einige thesen des buches für das video zusammengefasst.

raimund minichbauer: nach welchen inhaltlichen ansatzpunkten hast du die dargestellten modelle ausgewählt?
oliver ressler: ich kannte ein paar der modelle und dachte, dass es spannend wäre, von diesen ausgehend ein projekt zu entwickeln. so habe ich begonnen, weitere modelle zu recherchieren, die sich als alternativen zum kapitalismus verstehen. ich habe daher in das projekt keine reformistischen modelle aufgenommen - und werde das auch in zukunft nicht tun -, also modelle, in denen es nur darum geht, ein paar details in den bestehenden kapitalistischen strukturen zu ändern. es geht im projekt alternative economics, alternative societies um konzepte, die grundlegend andere vorstellungen von gesellschaftlichem zusammenleben und gesellschaftlichen strukturen anvisieren. die ansätze sind sehr breit gestreut und ich halte mir das auch ganz bewusst offen, ein relativ breites spektrum zu besetzen, in dem sehr unterschiedliche und zum teil auch einander widersprechende konzepte thematisiert werden können.

raimund minichbauer: wie wichtig waren die fragen, ob das konzept über das modell hinaus auch ansatzpunkte enthält, was man jetzt gleich tun kann, bzw. wie man das modell praktisch realisieren kann?
oliver ressler: wenn man marge piercy's feministische utopische visionen als beispiel nimmt, so sind hier einige facetten enthalten, die durchaus zur entwicklung einer alternativen gesellschaft herangezogen werden können. andere facetten funktionieren vielleicht in einem roman und sind spannend zu lesen, sind aber in der realität völlig unmöglich, weil sie an der biologie des menschen oder am momentanen stand der technik scheitern. ich bin beim marge piercy video wie auch bei den anderen videos so vorgegangen, dass ich mich primär auf jene facetten konzentriert habe, die mir wichtig erscheinen und wo ich auch grundsätzliche möglichkeiten einer umsetzung sehe. die zentrale frage ist ja, wie gesellschaftlicher wandel überhaupt stattfinden sollte. macht es überhaupt sinn, den einen oder anderen aspekt, der in den videos thematisiert wird, einfach innerhalb des bestehenden systems umzusetzen zu versuchen? da wäre ich eher einmal skeptisch. oder geht es nicht darum, ein grundlegend anderes konzept einer gesellschaft zu entwickeln? ich bin der meinung, dass diese anvisierten gesellschaftlichen veränderungen im rahmen eines umfassenden demokratischen prozesses stattfinden müssen. daher sind alle ansätze, die im projekt alternative economics, alternative societies thematisiert werden, immer nur als diskussionsgrundlage gedacht, als anregung für die - leider viel zu wenig stattfindenden - diskussionen über zukünftige gesellschaften.

raimund minichbauer: durch das hinzukommen neuer videos verändert sich auch die installation als rahmen oder gesamtzusammenhang - wie verändert sich dadurch dann die wahrnehmung eines einzelnen beitrags? unterstützen zum beispiel die historischen modelle die utopischen eher, indem sie generell die realisierbarkeit alternativer modelle unterstreichen, oder wird dadurch im gegenteil eher das nicht realisierbare hervorgehoben?
oliver ressler: die videos über die historischen modelle wollen einfach aufzeigen, dass in bestimmten geschichtlichen zusammenhängen und situationen an gewissen orten versucht wurde, alternativen zum kapitalismus zu entwickeln. das hat in einigen fällen das eine oder andere jahr oder auch über einen längeren zeitraum hinweg zu einem gewissen grad funktioniert. aber aus meiner sicht sollte man bei den beiden historischen modellen, die derzeit in der installation thematisiert werden - es werden sicher noch welche hinzukommen -, wie bei allen anderen modellen sicher keine eins-zu-eins-umsetzung anstreben, weil diese modelle natürlich durch ihre spezifischen geschichtlichen kontexte geprägt sind, mit großen schwierigkeiten und widerständen zu kämpfen hatten und sich deshalb auch nicht so entfalten konnten, wie das vielleicht möglich gewesen wäre, wenn sie weniger druck von außen ausgesetzt gewesen wären. aber ich will diese modelle trotzdem thematisieren und zeigen, was nicht so gut funktioniert hat und vielleicht zum scheitern beigetragen hat; über diese videos können etwa innere widersprüche thematisiert werden.
bei den in den 90er jahren entwickelten konzepten gesellschaftlicher oder ökonomischer alternativen, die in den anderen videos thematisiert werden, lässt sich leichter über eine eins-zu-eins-umsetzung nachdenken. es ist jedoch interessant zu beobachten, dass die meisten autor/innen gar nicht davon ausgehen wollen, dass die modelle genau so umgesetzt werden, wie es in den büchern zum teil sehr konkret vorgeschlagen wird, sondern dass die autor/innen die verschiedenen konkreten rahmenbedingungen innerhalb der modelle als diskussionsvorschläge verstehen. da gibt es also einen klaren unterschied zu früheren modellen, in denen die von theoretikern imaginierten gesellschaftssysteme schon als konkrete umsetzungsmodelle gedacht waren. die modelle aus dem projekt alternative economics, alternative societies lassen dagegen freiräume, um auf demokratischen prozessen basierend und mit fairen entscheidungsfindungen eine gesellschaft zu entwickeln - die sich dann in gewissen rahmenbedingungen z.b. einer "inclusive democracy" oder einer "participatory economy" verfassen könnte.

raimund minichbauer: kannst du innerhalb der modelle seit den 90er jahren eine entwicklung feststellen - haben sich diese modelle in den letzten 10 jahren verändert?
oliver ressler: einen gewissen einfluss hatte sicherlich der niedergang des staatssozialismus, sodass in den modellen der 90er jahre auch die letzten reste einer gewissen wunschvorstellung, dass zumindest teile eines lebenswerten alternativen systems bereits jenseits des eiserne vorhanges umgesetzt wurden, zur gänze aufgegeben wurden. im grunde spiegelt allerdings bereits die auswahl der modelle meine persönlichen interessen wider. ich betreibe das projekt ja nicht wie ein sozialwissenschafter, der die unterschiedlichen modelle möglichst vollständig versammelt, kategorisiert und aufzuschlüsseln versucht. ich gehe eher wie ein interessierter leser vor, wie jemand, der seine recherche kurz nach der lektüre transparent und zugänglich zu machen versucht, indem er mittels der videos einstiegshilfen in die thematik anbietet oder anregungen, sich mit dem einen oder anderen modell näher auseinanderzusetzen. ich habe auch nicht sonderlich viele neue modelle, mit denen ich mich bereits näher auseinandergesetzt habe, im hinterkopf, die produktion der videos und damit die weiterentwicklung des projekts funktioniert eher wie ein prozessorientiertes vorantasten.

raimund minichbauer: die videos kommunizieren natürlich nicht nur einfach 'den inhalt' des modells, sondern auch viele andere ebenen, z.b. wie utopien formuliert werden, oder auch persönliche ebenen: es ist immer jeweils eine person, die im video das modell präsentiert, und die dann auch in einem gewissen kontext gezeigt wird, was auch die frage aufwirft, wie vielleicht auch das persönliche lebensumfeld die utopien beeinflusst. wie hast du mit diesen informationsebenen gearbeitet?
oliver ressler: bei einigen leuten wusste ich vorher ein wenig über den persönlichen hintergrund, im einen oder anderen fall habe ich auch jemanden schon vorher persönlich gekannt oder zumindest einen vortrag gehört, bevor ich das interview gemacht habe. oft habe ich aber auch einfach über e-mail mit einem autor oder einer autorin einen gesprächstermin vereinbart, die person dann in london, spanien oder in den usa besucht, wo er oder sie zu hause ist, und dann war klar, ich habe ein oder zwei stunden zeit, um meine fragen zu stellen und ein video aus diesem prozess heraus zu entwickeln. wenn ich etwa ein interview mit michael albert zu "participatory economics" vereinbare und dann sehe, dass er in einem großen haus direkt am meer wohnt, dann denke ich mir schon, dass das ein räumliches umfeld ist, wo er sicherlich die persönliche ruhe finden kann, um sich über alternative ökonomien gedanken zu machen - und eben auch ausführlich gedanken zu machen, da eine gewisse finanzielle unabhängigkeit vorhanden zu sein scheint. bei anderen ist das nicht der fall. die haben oft einen job, der sie zeitlich sehr stark in anspruch nimmt, leben in kleinen wohnungen. das lässt aber nicht unbedingt rückschlüsse auf die arbeit ziehen. die persönlichen hintergründe der gesprächspartner/innen sind auf jeden fall sehr unterschiedlich, die einzige gemeinsamkeit scheint zu sein, dass sie alle gerne und viel lesen und unzufrieden mit dem bestehenden gesellschaftssystem sind.

raimund minichbauer: werden die orte, an denen die aufnahmen gemacht werden, von dir festgelegt?
oliver ressler: für mich ist es ganz entscheidend, alle aufnahmen im freien zu machen - aus dem primären grund, da ich mir nur schwer vorstellen kann, dass das sprechen über mögliche zukunftsalternativen in dunklen wohnungen vor hohen bücherregalen stattfinden soll. menschen, die sich mit solchen fragestellungen beschäftigen, sollen nach außen gehen und die idee nach außen tragen - und diesen wunsch versuche ich durch die visuelle ebene dadurch zu unterstreichen, dass alle interviews im freien aufgenommen wurden. ich habe versucht, die interviews an orten aufzunehmen, die in bezug zum thema des interviews stehen. das hat in einigen fällen sehr gut funktioniert - das interview mit salomé moltó über die spanischen arbeiterkollektive fand z.b. vor einem gebäude in alcoy statt, in dem während des spanischen bürgerkriegs eines dieser arbeiterkollektive untergebracht war. das gespräch mit christoph spehr habe ich z.b. im hafen von bremen, der stadt, in der christoph wohnt, durchgeführt, wodurch im hintergrund auch konkrete "arbeit" sichtbar wird. sein konzept einer freien kooperation beschäftigt sich ja intensiv mit fragen nach den notwendigen bedingungen, unter denen individuen in die lage versetzt werden sollten, relativ "frei" zusammenzuarbeiten. bei anderen interviews spiegelt der aufnahmeort das persönliche lebensumfeld des gesprächspartners bzw. der gesprächspartnerin wider. einer meiner interviewpartner -  p.m. - hat sich zwar gerne zum interview bereit erklärt, zeigt aber grundsätzlich sein gesicht nicht öffentlich, so wie er auch seinen bürgerlichen namen geheim hält. ich musste mir in diesem fall daher eine visualisierung überlegen, die ohne die abgebildete interviewte person auskommt, und habe die künstlerin lia eingeladen, auf der basis der im buch bolo’bolo vorkommenden zeichensprache eine eigenständige grafische ebene zu entwickeln. dieses video unterscheidet sich daher auf der visuellen ebene stark von den anderen.

raimund minichbauer: sind die modelle von einzelpersonen entwickelt, oder stehen da kollektive kontexte dahinter?
oliver ressler: von den historischen modellen mal abgesehen sind das in der regel einzelpersonen. "participatory economics" wurde von zwei personen formuliert, von michael albert und robin hahnel. da sie nicht am gleichen ort in den usa wohnen und michael albert in den letzten jahren mehr zur thematik publiziert hat, habe ich das interview nur mit ihm durchgeführt.

raimund minichbauer: du produzierst in anderen projekten unabhängig von installationen auch videos, z.b. this is what democracy looks like! oder disobbedienti [12]. diese videos haben auch den vorteil, sowohl im kunstkontext als auch in politischen kontexten gezeigt werden zu können. gibt es bei alternative economics, alternative societies dieses ziel, auch außerhalb des kunstkontexts gezeigt zu werden?
oliver ressler: ich arbeite an unterschiedlichen projekten, die in unterschiedlichen öffentlichkeiten realisiert werden. die einkanal-videos werden neben präsentationen im kunstkontext in videofestivals, bei politischen veranstaltungen oder manchmal auch im fernsehen gezeigt. dann gibt es projekte, die im städtischen außenraum realisiert werden, und dann gibt es die themenspezifischen installationen wie alternative economics, alternative societies. wenn ich an einem projekt arbeite, definiere ich vorher den rahmen, in dem das projekt gezeigt werden soll, und bestimme das entsprechende format. Bei alternative economics, alternative societies ist durch die menge des videomaterials das format ausstellung relativ naheliegend. hauptgrund für die entscheidung, eine ausstellung zu realisieren, war aber der wunsch, den betrachter oder die betrachterin durch die installation in eine position versetzen zu können, sich zwischen den unterschiedlichen konzepten zu bewegen und auswählen zu können. in der installation gibt es diese bodenbeschriftungen, die auf zitaten aus den unterschiedlichen videos basieren und eine art leitsystem herstellen. während man sich im ausstellungsraum bewegt, folgt man einer dieser gelben linien mit einem zitat, liest es während man geht, und das führt einen dann direkt zum entsprechenden tisch mit dem video. dort entscheidet man sich, setze ich mich hin und sehe mir das video an - oder beweg ich mich weiter, lese vielleicht ein anderes zitat und suche mir ein anderes video aus[13]. diese auswahlmöglichkeit verweist damit auf die grundsätzliche bedeutung von entscheidungen jeder einzelnen person, wenn es um alternative ökonomien und gesellschaftsformen geht. dem besucher oder der besucherin wird also bewusst nicht wie in einem kino über einen gewissen zeitraum hinweg etwas vorgesetzt, und ich habe kein pläne, die videos getrennt voneinander zu zeigen.

raimund minichbauer: also nicht unabhängig von der installation?
oliver ressler: ja. was ich allerdings schon plane, ist, teile des materials, das ich für alternative economics, alternative societies recherchiert habe, als ausgangsbasis für die entwicklung von projekten zu verwenden, die auch nicht-installative formen annehmen können. ich bereite zur zeit zwei projekte vor, in denen bestimmte aspekte aus der installation in städtischen außenräumen lanciert werden sollen. ich möchte dabei aber nicht mit dem videomaterial arbeiten, sondern nur thematiken aus den videos aufgreifen. das stellt für mich eine möglichkeit für zukünftige arbeiten dar.

raimund minichbauer: bei der frage nach alternativen modellen zum kapitalismus ist die 'antiglobalisierungsbewegung' ein realer kontext oder möglicher referenzpunkt. du hast schon einmal angesprochen, dass die diskussion alternativer modelle auch in der 'antiglobalisierungsbewegung' nur sehr unzureichend stattfindet. warum ist das so, und wie könnte ein projekt wie alternative economics, alternative societies in diesem kontext trotzdem aufgenommen werden?
oliver ressler: meine persönliche erfahrung ist, dass es aus den unterschiedlichsten perspektiven ausgezeichnete analyse und kritik des bestehenden systems gibt. über die 'antiglobalisierungsbewegung' existiert heute eine ganz wichtige widerstandsbewegung, die sich auch nach außen hin abbildet und für breitere bevölkerungschichten sichtbar ist. dass die diskussion über mögliche systemalternativen stark unterrepräsentiert ist, liegt meiner meinung nach an dem komplizierten metier, auf das sich kaum jemand einlassen will. die verhältnisse sind so komplex, so viel muss in hinblick auf alternativen beachtet werden. wer setzt sich schon gerne leichtfertig kritik aus und begibt sich auf glatteis, vor allem wenn dabei oft kaum mehr zu holen ist als ein verächtliches lächeln? vielleicht kann die ausstellungsserie als einstiegsangebot ja einen kleinen beitrag zur weiteren entwicklung der diskussionen zu alternativen ökonomien und alternativen gesellschaften leisten.

raimund minichbauer: gibt es schon pläne für die nächsten schritte, oder für die nächsten modelle, mit denen du dich beschäftigen wirst im rahmen des projekts?
oliver ressler: ich habe eine ganze liste mit namen, modell-begriffen usw., die auf eine weitere recherche warten. es gibt derzeit ein finanzierungsproblem - ich kann jetzt noch das video mit john holloway fertigstellen, aber davon abgesehen ist im moment leider die finanzierung der nächsten videos nicht geklärt. es sind allerdings bereits mehrere ausstellungen geplant, in denen die bisher realisierten videos gezeigt werden.

raimund minichbauer: ist die grundsätzliche idee, die anzahl der videos laufend zu erweitern, oder planst du auch andere zusammensetzungen und etwa in einer ausstellung einmal auch nur eine auswahl von z.b. fünf videos zu zeigen?
oliver ressler: mein wunsch ist es, neue videos zu produzieren und zum bestehenden videopool hinzuzufügen. die installation wird also immer größer werden, was auch damit verbunden ist, dass sie in zukunft ein bisschen komplizierter zu zeigen sein wird, weil mehr raum und mehr technisches equipment benötigt wird. jedes video soll ja weiterhin auf einem einzelnen monitor gezeigt werden, um den aspekt des bewegens im raum und der auswahlmöglichkeit zu erhalten. ich möchte das projekt grundsätzlich mehrere jahre hindurch weiterführen, weil ich finde, dass man so ein projekt gar nicht wirklich abschließen kann - zumindest solange das bestehende kapitalistische system weiter existiert, und es sieht ja sehr danach aus, dass das noch eine zeitlang der fall ist.

raimund minichbauer: vielen dank für das gespräch.



[11] holloway, john, die welt verändern, ohne die macht zu übernehmen, münster: westfälisches dampfboot 22004

[12] siehe zu beiden videos http://www.ressler.at/, vgl. auch das gespräch zwischen oliver ressler und gerald raunig: http://republicart.net/cal/resslerinterview.htm

 

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